Entwicklungen in Gang setzen – Lebensqualität steigern

Rückmeldungen und Erfahrungsberichte

Marte Meo in der Angehörigenberatung

Ich arbeite seit dem Jahr 2000 in einem Pflegestützpunkt als Pflegeberaterin. Der Großteil der Klienten sind Familien, bei denen ein Familienmitglied eine demenzielle Grunderkrankung diagnostiziert bekommen hat. Ich selbst begann 2013 meine Marte Meo Ausbildungen, da ich sie als sehr sinnvolles ergänzendes Beratungsangebot kennenlernen durfte, welches Familien hilft, im Alltag mit den Betroffenen eine bessere Beziehung gestalten zu können.

Die Reviews (videobasierte Beratung)  für Angehörige von Menschen mit Demenz  helfen diesen  (anhand ihrer eigenen Bilder) mehr Bewusstsein zu entwickeln, wie sie ihre an Demenz erkrankten Familienangehörigen im Alltag unterstützen können.

Zitat einer Angehörigen nach einem Marte Meo Review: „Das ist einem vorher gar nicht bewusst gewesen, wie wichtig es ist, welche Töne und welche Tonlage ich bei meiner Schwiegermutter benutzte und dass ich weniger fragen sollte, vielmehr benenne was sie tun kann. Dadurch kann sie viele Dinge noch selbständig erledigen und fühlt sich dadurch auch noch kompetenter“.

Marte Meo in der Fachberatung mit Pflege- und Betreuungskräften

Expertenstandard Beziehungspflege zu Menschen mit Demenz in die Praxis umsetzen - Strukturqualität verbessern

Durch die Kraft der Bilder können personenzentrierte Bedürfnisse von Menschen mit Demenz besser wahrgenommen werden und Mitarbeiter*innen erhalten konkrete Verstärkung in ihrer Haltung bzgl. der Umsetzung des Expertenstandards in der Beziehungspflege zu Menschen mit Demenz.

Die Meo Fachberatung kann zu einer Förderung einer Entwicklungsstimmung im Team beitragen. Dies wirkt sich sowohl gesundheitsfördernd auf den Menschen mit Demenz als auch auf die Pflegepersonen aus. Pflegende erleben mehr gemeinsame positive Momente in ihrem Alltag. Mit Marte Meo geschulte Fachkräfte berichten immer wieder, dass sich die Teamkommunikation verbessert. Die Zusammenarbeit von Pflegekräften und Alltagsbegleiter*innen wird gefördert. Die nuancierten bildbasierten  Rückmeldungen in den Fachberatungen helfen Interaktionen wahrzunehmen, die dazu beitragen individuelle Ressourcen von Betroffenen (verbal, emotional, auf Handlungsebene) wahrzunehmen und zu erhalten. Im Rahmen der Pflege- und Betreuungsdokumentation (SIS - Strukturierte Informationssammlung) kann Marte Meo dazu beitragen, dass personenbezogene Bedürfnisse in der Alltagsstrukturierung besser wahrgenommen (dokumentiert) und somit in den Betreuungsalltag integriert werden können.

In individuellen Betreuungssituationen geht es im Tenor viel um die Anpassung des Tempos und die Umsetzung des Wissens, dass das „Wie“ häufig wichtiger ist als das „Was“. Die Anwendung von Marte Meo trägt wesentlich dazu bei, den Betreuungsalltag zu entschleunigen und ureigensten Bedürfnissen älterer Menschen wie z. B. Kontakt- und Anschlussbedarf gerecht zu werden. Dieses in den Maßnahmenplanungen und -umsetzungen zu berücksichtigen, kann helfen auch Pflege- und Betreuungsmaßnahmen zu entschleunigen.

Rückmeldungen nach einer Marte Meo Fachberatung im Team

Wie wirkt sich die Anwendung von Marte Meo auf den Pflege- und Betreuungsalltag aus?

"Der Tagesablauf kann ruhiger gestaltet werden. Die Bewohner*innen zeigen erstaunlicherweise keine herausfordernden Verhaltensweisen mehr".

Welchen Nutzen hat die Marte Meo Methode für das Team?

"Durch die visuelle Reflexion kann man sich selbst besser wahrnehmen. Die Wertschätzung zwischen den unterschiedlichen Bereichen: Pflege, soziale Betreuung und Hauswirtschaft wird gefördert. Ein Zusammengehörigkeitsgefühl ist entstanden".

Wie profitieren betreute Menschen von Marte Meo?

"Zu benennen anstatt Fragen zu stellen ist sehr effektiv, der/die Bewohner*in fühlt sich besser wahrgenommen." "Mehr Benennungen führen zu mehr Zufriedenheit bei den Bewohner*Innen".

Projektfilm Mai 2018 Die Glücksboten

Zum Film: https://www.youtube.com/watch?v=HPqa3o-N4og&t=22s

2017/2018 fand in Kusel (Rheinland-Pfalz) mithilfe finanzieller Unterstützung  der IKK Südwest ein generationenübergreifendes Projekt mit Menschen mit Demenz statt. Schüler*innen, Kindergartenkinder und -erzieherinnen, Alltagsbegleiterinnen und Menschen mit Demenz trafen sich einmal im Monat in einer stationären Pflegeeinrichtung (Zoar Kusel). Die Treffen wurden von der Erzieherin und Marte Meo Supervisorin Michaela Seeber in Zusammenarbeit mit einer Kita-Kollegin und einer Alltagsbegleiterin des Zoar (Marte Meo Practitioner) vorbereitet und per Video aufgezeichnet. Die teilnehmenden Schüler*innen, Erzieherinnen, Kindergartenkinder und Alltagsbegleiterinnen wurden vom Team des Marte Meo Netzwerks Kusel (Gabriele Merle, Marte Meo Supervisorin, Michaela Seeber, Marte Meo Supervisorin, Nicole Klingenberg, Marte Meo Therapist und Karola Becker, Marte Meo Supervisorin i. A.) begleitet und videobasiert individuell unterstützt.

Alle Beteiligten profitierten sichtlich und teilten sehr freudige Augenblicke miteinander. Durch die videobasierten Rückmeldungen konnte gezielt auf unterstützende Interaktionsmomente eingegangen werden. Dies hatte positive Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein sowohl der Kindergartenkinder als auch der Schüler*innen. Sie entwickelten mehr Sicherheit im Umgang mit Menschen mit Demenz. Eine Mutter schilderte, dass sich ihre Tochter nun selbst besser helfen könne, wenn sie etwas möchte – eines von vielen Beispielen, wie die Begleitung mit Marte Meo dazu beitragen kann Entwicklungsprozesse zu aktivieren und den Teilnehmer*innen im Alltag helfen kann, mehr Selbstwirksamkeit zu entwickeln. Für Kinder und junge Menschen kann dies dazu beitragen, dass ihre Sozialkompetenz gefördert wird und sie selbst sicherer werden in ihrer Kommunikation mit anderen Menschen.

Aus meiner Sicht und für meine weitere Arbeit mit Marte Meo hat das Projekt bestätigt, wie sehr es sich lohnt, verschiedene Alters- und Zielgruppen zusammenzubringen und die Beteiligten nach dem Modell von Marte Meo zu beraten und zu unterstützen.

Selbsthilfegruppe für Angehörige von Menschen mit Demenz

Seit dem Jahr 2000 begleite ich eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Menschen mit Demenz in Brücken (Landkreis Kusel).

Seit 2019 zeige ich regelmäßig beispielhafte videobasierte gelungene Marte Meo Interaktionsmomente zu Beginn der Gruppentreffen. Anhand dieser kleinen Filmsequenzen konnten die Teilnehmer*innen sehr viele gewinnbringende Modelle für sich selbst mitnehmen, die sie im eigenen Alltag anwenden können.  Die Alltagssituation der pflegenden Angehörigen hat sich ihren eigenen Angaben zufolge verbessert und lässt sich dadurch stressfreier gestalten. Die in der Selbsthilfegruppe teilnehmenden Angehörigen lernen, neue Kommunikationsmöglichkeiten zu entwickeln, sie richten ihre Aufmerksamkeit in der Gruppe mehr auf Lösungen anstatt auf Probleme.

Marte Meo Angehörigenschulung im Zoar Kusel 2019/2020

Nach einer Marte Meo Angehörigenschulung von 11/19 bis 2/20 (von U. Becker konzipiert) meldete eine Teilnehmerin bzgl. der Umsetzung im Alltag folgendes zurück:

 „Die Schulung hilft mir im Alltag mit meinem Vater stressfreier umgehen zu können und mir bewusst Auszeiten zu nehmen, in denen ich selbst nochmals Kraft und Energie bekomme für den Alltag mit meinem Vater“.

Die Rückmeldungen der Teilnehmer*innen waren durchweg positiv. Sie gaben an, die Schulung habe ihnen geholfen, mit der aktuellen Situation besser zurecht zu kommen. „Der Alltag lässt sich aufgrund der Infos in den Schulungen entspannter gestalten“ (Rückmeldung einer Schulungsteilnehmerin).

Grundsätzlich trägt die Schulung zur Gesundheitsförderung von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen bei, da sie miteinander mehr positive Momente erleben können, was wiederum den Alltag deutlich bereichern kann.

 

Karola Becker, 4/2020